Eindrücke aus Nairobi

Nach einem recht angenehmen Flug kam ich in Nairobi gegen 18 Uhr local time an. Das Willkommen der Schwestern war sehr herzlich. Zwei Tage hatte ich Zeit zum Akklimatisieren, dann bekam ich in der Straßenschule gleich eine Aufgabe, da bin ich gut ausgelastet.

In der ersten Woche hatte ich gleich eine Einladung zu einer Graduation Ceremony in einem Institut für religiöse Weiterbildung. Drei unserer Schwestern hatten dort Kurse belegt und bekamen ihr Diplom. Die Afrikaner können aus so einem Anlass ein großes Fest machen erst mal waren viele Freunde und Verwandte anwesend. Dann wurde eine schöne festliche Messe gefeiert, danach kam dann die Verleihungszeremonie. Die Verleihung betraf drei unterschiedliche Gruppen, insgesamt über 70 Personen. Das dauert dann, und es war hochfeierlich. Als dies vorüber war, gab es Socialising, man saß im schön gepflegten Garten, bekam eine Tüte mit Würstchen-Sandwich und Kekse und etwas zu trinken. Im Unterschied zu unseren europäischen Feiern gab es weder Wein noch Bier, nur Softdrinks, die die Afrikaner über alles lieben.

Nairobi hat mehrere Universitäten, u.a. auch die Katholische Universität Ostafrika, die sehr gut sein soll. Dazu noch viele andere Bildungshäuser der Diözese und anderer großer Orden. Außerdem gibt es noch eine große protestantische Gemeinde, Baptisten, Methodisten, Heilsarmee, und unendlich viele afrikanische Splittersekten, die sich mit Begeisterung der Teufelsaustreibung widmen. Denn, wie man weiß, wachsen auf dem Boden der Armut und Ungebildetheit und der Teufelsangst viele böse Kräutlein.

Moslems und Hindus gibt es auch in großer Anzahl. Die Hindus kamen mit den Engländern zum Ende des 19. Jahrhunderts zum Bau der Eisenbahn, sie blieben und wurden tüchtige Geschäftsleute. Die Moslems lebten am Meer, historisch waren sie verantwortlich für den Sklavenhandel in Ostafrika von Sansibar aus. Inzwischen sind sie auch über das ganze Land verbreitet, doch vorwiegend am Meer und an der somalisch-kenianischen Grenze.

Der Straßenverkehr in Nairobi ist chaotisch. Ich habe mir den Gedanken abgewöhnt, mal ins Zentrum zu fahren und einen Kaffee im historischen Thorntree- Café zu trinken. Es ist eines der ältesten Cafés und Hotels in Nairobi und stammt noch aus der Gründerzeit um ca. 1870. Zweimal war ich jedoch schon einkaufen. Es macht einfach Spaß, in den Läden, durch die Gänge und Stockwerke zu bummeln und die schönen Dinge anzusehen. Wenn man dann wieder raus kommt, umfängt einen gleich die Nairobier „Normalität“ mit vollen Bussen, überladenen Matatus (Sammeltaxis), verrücktem Verkehr und Dreck, und jetzt in der Regenzeit, bodenlosem Schlamm.

Ja, Regenzeit. Tagsüber kommt oft die Sonne hervor und dann wird es ganz schön warm. Aber sobald es Abend wird, kann man mit Regengüssen rechnen, da schüttet es dann so, dass man sogar im Haus sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Auf den leichten Dächern (oft Wellblech oder Plastikplatten) dröhnt es ohrenbetäubend. Mit Sorgen muss ich dann an die Menschen denken, die in ihren Wellblechhütten hausen, denen das Wasser in Strömen durch die Behausung läuft, die kaum noch einen trockenen Fleck finden. Oder gar an die Kinder und Jugendlichen, die sich auf den Straßen herumtreiben und mit viel Glück eine Plane zu mehreren teilen.

Als ich das erste Mal nach Nairobi kam, bestand die Amani-Schule (Amani = Liebe, Nächstenliebe) aus zwei Gebäuden, und hin und wieder wurde auch die „Ur-Schule“ in Anspruch genommen: ein Wellblechdach auf 6 Pfosten und vier Reihen Bänke darunter. Die Wandtafel war ein schwarz angemaltes Brett. Heute ist diese Bedachung unter klösterlichen „Denkmalschutz“ gestellt. Mir dient es als Übungsplatz zum Flötenspiel. Heute besteht die Schule aus vier Schulgebäuden, einer Mehrzweckhalle mit Speisesaal, einer großen, gut ausgerüsteten Küche und zwei kleineren Nebengebäuden mit Duschen und WCs. Außerdem gibt es eine Bibliothek und einen Computerraum mit ca. 12 PCs. Alles aus Spendengeldern, d.h. es wurde gut verwaltet. Inzwischen sind es ca. 200 Kinder, keine Klasse hat mehr als 20-25 Schüler, unterrichtet wird nach dem Kenian Syllabus, und etliche Schüler haben die Möglichkeit, auf das Gymnasium (nach 8 Jahren Grundschule) zu wechseln. Zwei der Absolventen werden demnächst auf die Universität gehen. Das sind unglaubliche Stimuli für die Lehrer, und die geben wirklich ihr Bestes. Der Lehrkörper umfasst 12 Lehrer.

Dann gibt es noch eine Gruppe Vision of Hope Selfhelp-Group. Es sind vorwiegend Frauen, die entweder Aids haben oder ihre mit Aids behafteten Familienangehörigen betreuen. Sie werden hier hinsichtlich Hygiene, Nahrung und Medizin unterstützt, außerdem lernen sie durch Handarbeiten, sich ein bisschen Geld zu verdienen. Auf einem anderen Teil des großen Klostergeländes befindet sich ein Mädchengymnasium mit Internat. Es zählt zu den besten in Kenia. Mit diesem Gymnasium werden auch die sozialen Projekte des Klosters mitfinanziert, soweit dies möglich ist, denn die Schülerinnen bzw. deren Eltern müssen ein Schulgeld bezahlen, die Schuluniformen und das Lernmaterial selber finanzieren.

Hier habe ich auch ein paar Schülerinnen entdeckt, die C-Flöte spielen, und gerade eben sprach ich mit der Musiklehrerin, sie kann sich denken, dass wir eine kleine Flötengruppe bilden.
Viele Grüße aus einem nasskaltheißen Nairobi!

Felicitas Samtleben-Spleiß
Nairobi